Ambulant vor stationär - das ist politischer Wille.


Praxisbeispiel Familie K.

Ohne die Mitwirkung der eigenen Angehörigen geht es nicht. Die beiden Kinder unserer Kundin Elisabeth K. wissen das. 


Sohn K. wohnt 13 Kilometer vom Haus seiner Mutter entfernt. Tochter K. wohnt in Stuttgart. Mutter K. wohnt alleine in einem Einfamilienhaus am Rande einer südbadischen Kleinstadt. Nach Stuttgart ziehen wollte sie nie, auch nicht in gesunden Tagen. Nun leidet Frau K. unter einer neurodegenerativ bedingten Sprachstörung und könnte aufgrund ihrer Demenz eigene Gedanken und Wünsche zu ihrer Wohnsituation auch gar nicht mehr klar artikulieren.

Seit zwei Jahren kommt morgens und abends ein ambulanter Pflegedienst ins Haus. An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen heißt die vom Hausarzt verordnete Leistung häuslicher Krankenpflege. Diese Leistung ist für Frau K. praktisch kostenlos, weil sie von der Krankenkasse bezahlt wird. Momentan braucht Frau K. nur einmal in der Woche Unterstützung und Anleitung beim Duschen. Dafür kommt eine Pflegefachkraft ins Haus. Die Kosten für diese Leistung trägt die Pflegekasse. Das an Frau K. ausbezahlte Pflegegeld wird dadurch geringfügig geschmälert; was übrig bleibt, darf Frau K. behalten (Kombinationsleistung).


Die Kompressionsstrümpfe sind wichtig für Frau K. Viel wichtiger ist allerdings, dass morgens und abends eine Fachkraft ins Haus kommt. Das weiß der verordnende Hausarzt. Die Sachbearbeiterin bei der AOK weiß es auch und bewilligt bei "sozialer Indikation" entsprechend großzügig.


Erst neulich hat Sohn K. seiner Mutter angeboten, in sein Haus im Nachbardorf zu ziehen. Noch will Frau K. dieses Angebot nicht annehmen. Deshalb kommt Sohn K. eben so oft es geht bei seiner Mutter vorbei. Vor allem wegen des Autos ist Frau K. auf den Sohn angewiesen, denn sie kann längst nicht mehr Auto fahren ohne sich selbst und andere zu gefährden.


Pflege per Telefon

Am Anfang dachte Tochter K. noch, sie  könne Pflege und Betreuung von Stuttgart aus fernsteuern . Aber die  Betreuung der eigenen Mutter funktioniert nicht telemetrisch, es ist praktische Arbeit im Hier und Jetzt. Mit dem Versuch diese Arbeit einfach auf andere zu delegieren, hat sie sich Feinde geschaffen, die ihr Ausbeutung vorwerfen. Über die Kurzbesuche ihrer Verwandtschaft auf dem Weg in die Schweiz hat sich Frau K. zwar immer gefreut, aber geholfen haben sie niemandem. Die Arbeit in Haus und Garten blieb liegen und manchmal blieb sogar das Kaffee-Geschirr der Besucher stehen.


Bahnhof


Nun hat sich Tochter K. mit staatlicher Unterstützung Freiräume in ihrem Job geschaffen. Auf exorbitanten Freizeit-Genuss und exklusive Kurzurlaube verzichtet sie ebenfalls. So kann sie jede Woche ab Donnerstagabend für volle drei Tage zu ihrer Mutter kommen. An diesen drei Tagen bestellt sie den Abend-Einsatz des Pflegedienstes einfach ab. Stützstrümpfe ausziehen kann sie selbst. Nur mit dem Anziehen der Kompressionsstrümpfe klappt es nicht. Das ist richtige Schwerstarbeit für sie, obwohl es ja so leicht aussieht, wenn die Pflegedienst-Mitarbeiterin das macht. Einmal hat Tochter K.  die "Anleitung zur Behandlungspflege für Angehörige" in Anspruch genommen. Auch das wurde vom Hausarzt verordnet und von der Krankenkasse komplett bezahlt.


Die durchschnittliche Pflege-Dauer liegt zwischen 6 und 7 Jahren. Die Geschwister K. wissen, dass sie möglicherweise langen Atem brauchen.  Finanzierbar wäre ein Heimplatz schon: Aus sozialpolitischer Sicht ist ein  Heimplatz mit 4.500 € ist noch immer viel zu preiswert, um dieser Verlockung dauerhaft zu widerstehen. Aber seit die Mutter in einem lichten Moment verlauten ließ, dass sie eigentlich nur tot aus ihrem Haus getragen werden möchte, sind Gedanken an ein Pflegeheim tabu.


Die Geschwister wissen auch, dass die Pflegeversicherung vom Gesetzgeber ganz bewusst als Teilkasko-Versicherung konzipiert worden ist. Deshalb wollen und müssen sie mithelfen. Sie wollen diese Arbeit auch gerecht teilen - so wie später einmal das Erbe gerecht geteilt werden soll.




Literatur


Ausbeutung

Tine Haubner:  Die Ausbeutung der sorgenden Gemeinschaft.  Dissertation, Campus-Verlag, Frankfurt/M. 2017, 495 Seiten, 39,95 Euro, ISBN: 978-3-59350-735-4


Heinzelmann, M. (2004), Das Altenheim – immer noch eine „Totale Institution“?
Eine Untersuchung des Binnenlebens zweier Altenheime, Dissertation, Göttingen.

 

 




 


 

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